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Prekarität jenseits der Mindestsicherung

 
ich fliege herum zwischen bewerbungseinladungen und jobmessen. mein magister maulwurf ist kaum noch da. ist er da, würdigt er mich mehr oder weniger keines blickes. flieht nur durch. er wird machmal von DI-wfs besucht, welcher gleichfalls nix mit mir spricht. doch wissen wir:
trulla und ich dass ma quasi nur noch eine woche haben. das wetter wird sonnig. so auch unsre gemüte. ich habe zwar schon absagen in der tasche, jedoch auch neue einladungen. die hoffnung, im verlagskonzern zu verbleiben, besteht. meine lauen ist unter andrem gut weil ich keine arbeit mehr habe. ausser ein paar lapidare routine tätigkeiten. dennoch muss ich mir mit den kunden einen kaputten kartenkopierer teilen. heute wieder so ne kundin, die mich nervt mit: "ich werde nicht fertig, der kopierer spinnt." ich gehe entnervt zu mein drucker udn druck halt die 30 seiten. auch egal. bin froh dass ich hier wegkomm. wird wahrlich zeit. habe nun zehn ganze wunderschöne restwoche vor mir bis alles vorbei ist. und in diesen verstecken sich da und dort insumma 28 tage arbeit. die sozialen aktivitäten auswärts sind vielfältig und sehr spannend. sieht also alles weitgehend grün aus. nur auf die option, dass es danach dennoch aufs ams geht, auf die muss ich mich innerlich einstellen, den worstcase.(20juni)

23.6.tja und einstweilen ist auch dieses sommerwochenende over, mir hat schon am freitag der maulwurf ein richtig nettes dankmail geschrieben für was ich ihm alles organisiere. ich will ihm wenigstens in diesen verbliebenen 7 arbeitswochen beweisen, dass ich mit ihm an einem strang ziehe. des weiteren befinde ich mich erneut zwischen 2 spannenden bewerbungsgesprächen, die mir ein verbleiben im verlag sichern könnten, und dies glatt sogar mit einer hinaufstufung - wenngleich einer neuen buchhalterischen herausforderung. ich bin bereit, diese anzunehmen. wieder sind akademiker meine schärfsten konkurrenten.

ich kanns offenbar auch im juni. verzweifelt werden. die trulla vis a vis - eh nur mehr 10 tage. ich an einer schwierigen englischen bewerbung arbeitend. grade als ich die dt übersetzung fertigstellen will, lehrt sich durch einen fahrigen mausklick die sandbox! alles ist weg. das mailprogramm hat keine memory oder entwürfe funktion. ich dreh fast durch! die ganzen formulierungen und rausgesuchten worte! wie blindwütig muss ich alles von vorne machen. das ist das einzige was man tun kann in der situation. alles was noch frisch im gedächtnis formuliert wurde, erneut tippen. auf englisch, dann auf deutsch. das merk ich mir - es geht besser wenn man gleich auf englisch formuliert, weil man da die ausdrucksfreiheit hat. und das übersetzt man dann in die muttersprache. naja jedenfalls tanzen alle drei chefs von der trulla ummadum. und grad als der eine von ihr rumtanzt ist, ist mir diese fahrigkeit ja geschehen. mein eigner maulwurfchef ist heute ja ausnahmsweise auf termin. die trulla läuft dauernd minutenlang raus, und ihr telefon läutet unentwegt sturm, dann haben wir auch noch kundenverkehr. ich grüsse nimmer zruck, ich kann garnimmer. ich versuche wie in trance aber acuh gehöriger verzweiflung meinen text aus dem gedächtnis zu re-konzipieren! in der hektik und fahrigkeit kann ich das kaum tippen. doch in mindestens der ursprünglich investierten zeit ist der txt bestmöglich wiederhergestellt. warum auch habe ich nicht in der sicheren textverarbeitung gearbeitet, warum sandbox! bei sowas!!! die trulla läuft hin und her. ihre chefs haben die tür offen um sich anzuhören wie ich rücksichtlos den telefonapparat der trulla ins leere läuten lasse. wurscht, bin eh schon gekündigt. auch heut morgen wieder. ein blick oder sollt ich besser sagen antiblick der kollegin der trulla auf 'mich', weil ich ja schon in kündigung bin! dann erfolgt ein prüf-anruf. ein kunde vom maulwurf ruft bei mir an und stellt eine vollkommen debile frage. er hakt deppat nach als würd er es nicht kapieren. dass maulwurf auf termin ist und nie ein anderer termin ausgmacht war. ich schätze dies ist ein probeanruf von maulwurf oder konsorten. ich schassle den überaus dummen anrufer harschest ab wie wohl kaum irgendjemand zuvor in diesem hause! vielleicht sass ja maulwurf daneben auf lautsprecher und liess mich nur überprüfen. dann hab ich gefailed. und mir ist das völlig egal. es wird heute meine 68. bewerbung rausgehen. damit sind noch hundert weitere zu schreiben!

es neigen sich die tage zu ende, die tage mit meinem maulwurf. ja selbst mit der tischwischtrulla verbinden mich nur noch 15 gemeinsame tage! deretweilen kümmere ich mich darum, bewerbungen rauszuschicken, weil ich mir ja hier im konzern wegen unadäquaten wenig-arbeitens die bemessungsgrundlage zerschossen habe. ich bin aber froh, für maulwurf und mit zusatzversicherung solang dagewesen haben sein zu können, wie es nur möglich war. meine grundprämisse (loyalität neben diskretion) habe ich damit erfüllt. es ist die loyalität der blöden und dummen. sie aber entspricht der vorleistung, die man erbringen muss, damit die ganze geschichte weitergeht. auch wenn dazwischen wochen vergehen, wo sich nichtmal die option auf eine bewerbung bietet, so steige ich dennoch immerhin gesichtswahrend, weil glatt, aus dem verlagskonzern aus. zwar wird maulwurf selbst, der ja ur-sozi-feig ist, mich nicht bedingungslos weiterempfehlen, aber ich kann in der rutsche meines guten laufs weiter in der liga mitspielen. ich werde dies auch müssen. bis dato haben mir leider akademiker 3x die hochdotierten posten weggeschnappt. es ist egal: ein grundeinkommen wird immer da sein. der schmerz der zerschossenen bmg sitzt aber auch, wie ein einser.

das ist jetzt megaspannend. bevor ich an den verlag zu chaosChef und maulwurf kam, wurde ich von einer geschäftsführerin aus einer gmbh rausgeschmissen. sie wird alle 4 jahre abgelöst. sie hat mich rausgehaut und ist selber in der gmbh geblieben. nun lese ich, dass am selben tag, als ich mit den chefs WFS und maulwurf die schriftliche kündigung vereinbart habe, die gschaftlführerin ihre verabschiedungszeremonie hatte! das zeigt mir, das schicksal weiß ganz genau, was es tut. diese führungsfeindin und ich, wir gingen ja dann doch - und dies auch noch am selben tag.
weiters: eine filiale des verlags ruft mich an und will dass ich mich vorstellen komm. ich bewarb mich bei denen. ich kitzle datum, zeit, ort raus. während des gesprächs fängt die assistentin zu zögern an, verspricht mir aber ein mail mit den details, wo genau. ich husche heim. fahre compi hoch - kein mail. ich schreibe an jene filiale, bezugnehmend auf mein anvisiertes vorstellgespräch mitte nächsten monats. mir schwant, dass die wfs kumpels aus der verlagszentrale schon geschaltet und gewaltet haben, kundtuend, was für ein stinkertes A*loch ich nicht doch sei, wie sehr es doch fahrlässig sei, mich aufzunehmen, auch nur auf ein gespräch einzuladen. ich finde mich also ab damit, dass ich ab herbst mit einer komplett zerschossenen bmg darniederliege. vorsorglich schon einmal habe ich mich von 20 euro tagesbudget auf 10 euro tagesbudget runtergsetzt. heute musste ich deswegen lax mit acrylamid-kruste essen. ich hoff ich krieg jetzt keinen krebs vom lax.

die sechs tage meines urlaubs werden nie vergessen - es lief eine art autonomer gehirnwäsche ab in form des zurückcoachings in richtung eines vernünftigen arbeitsplatzes. diesmal sogar ernst gemeint. und daher ja die schmerzhafte gehirnwäsche. ja und dazwischen rezitierte ich immer wieder plädoyers, wie ich das gestrig abgelaufene (de)Eskalationsgesprächs anlegen würde. vorab mal lief ich rauf und sagte wfs vor 2 zeugen (seinen adjudanten) die meinung. dürfte relativ geräuschvoll abgegangen sein. also mit entschlossener stimme, doch ohne rumschreierei. er sich würmlich krümmend, sich-Verteidigung suchend. maulwurf indes, der warnte mich - dass wfs imstande wär vor die höchsten gerichte zu ziehen gegen mich. dipling Wurmfortsatz maulte etwas von wegen 'arbeitsverweigerung' und 'verfehlungen'. lustigerweise hatte ich tatsächlich sein zimmer gestürmt, ohne klopfen resp. grüßen. war der einzige moment, wo ich tatsächlich affektiv gehandelt hatte. und immerhin hatte er mich ja ein weiteres mal zu sich raufzitiert gehabt. nicht wissend dass ich in jenes zimmer einfach nimmer reingehen will. dass die adjudanten da waren, war mir sehr nett und lieb. wären die nicht dagewesen, dann wäre ich heute nicht imstande, ebendiesen bericht zu verfassen. also war wfs avisiert. ich einstweilen mit b-rat telefonierend. unten bei mir, schön laut dass es auch ja alle hören. etwa die adlige belletristin. wie auch die schleimtriefende tischwischtrulla von der ich mich hiermit verabschiede. fünf wochen arbeit ma jetzt noch zsam - bleiben tu ich aber doch noch mitten in den sommer rein, wie ich es wollte. dass die firmenseitig organisatorische verzögerungen in der nachbesetzung haben - das wird zumindest den maulwurf nur mehr peripher tangieren. und das ist für mich eine genugtuung. denn die arbeitsumstände hier waren eine große prüfung für mich gewesen. doch hatte der maulwurf meine el*htests bestanden und jetzt wäre ich ihm hörig gewesen. ging sich halt leider nur um das haar des wurmfortsatzes nicht aus. würde soweit gehen zu sagen: den maulwurfchef möchterte ich gern - und sei es auch nur als 1-2 mal/jahr mailbekanntschaft - in die zukunft mitnehmen. und meine 3 arbeitskumpels, die alle 3 erfahrung mit privatwirtschaft und ams haben. auf in den kampf nun, die arbeitsbewerbungsliste wird gemacht. bin bei jobbewerbung laufnummer 63 angelangt. wird lustig - echt. einen drucker werd ich mir vielleicht kaufen, weiss nicht. bin froh dass es sommer ist. die hölle liegt nun schon fast weit hinter mir.

 

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