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Prekarität jenseits der Mindestsicherung

 

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'Prekarität jenseits der Mindestsicherung' hat jetzt seine eigene Group.
Wenn Du selbst Facebooker bist, findest du diese Group mittels der ganz normalen Suchfunktion dort. Sie wird absichtlich nicht hier verlinkt, um die einzelnen Mitglieder und deren Identität zu schützen. Noch den halben März (15.3.-1.4.) ist der Zutritt zur Group problemlos möglich, ab April wird die Group geschlossen, damit wir uns gemeinsam an die inhaltliche Arbeit machen können zur Thematik:
Die hochgelobte Mindestsicherung als nationaler Armmacher, Enteigner und trojanisches Pferd? Nichts andres als ein verstecktes HartzIV. Prekäre Arbeitsverhältnisse und ihre Folgen für weitere Arbeitssuche und Arbeitslosenunterstützung.

9leihfirma ottakring nach gramatneusiedl
10Eau
11akh
12hfb innere stadt mit fäkalgeruch
13der schwarzweiss mann mit seinen freien Dn.
14argentin, das eigentlich nur weitervermittelt
15fleischmarkt in aspang

ich habe derzeit im netz, sowie auch beruflich so derartig viel um die ohren, dass ich mit der beschreibung der verbliebenen sieben fälle noch zuwarten muss und hoffe, die geneigte leserschaft hat hierfür verständnis.

gleich nach meiner letzten kündigung finde ich das inserat einer firma, die sich ganz in meiner nähe befindet. ich bekomme dort einen termin und traue meinen augen nicht: es kann dies doch wirklich alles nicht wahr sein - leider fehlt mir die cam, es fotografisch festzuhalten, auch wär dies ungesetzlich. mir bleiben nur bloße worte, dies zu beschreiben.
man stelle sich vor einen raum von 3,5 x 3,5 meter. über und über belegt mit schreibtischen, an die vereinzelt sesselchen rangeklappt sind, übliche bueroarbeitsplätze. zusammengepfringt, komprimiert auf diese größe - ungefähr vier davon. man kann kaum durch gehen (höchstens im eigenen kopf). speziell der erste sessel vom schreibtisch wenn man gleich reinkommt, verengt den durchgang auf cirka 30 cm. und da drin arbeiten MENSCHEN! (oder was sich so nennt).
es gibt wohl noch 1,5 neben bueros. alles mit kargem, teils garkeinem tageslicht. im 1 buero daneben stehen auch mind. 2 menschen und im halben buero, da darf der chef sitzen, der hat ein einzelzimmer.
und: alle rauchen - ALLE.
und wer nicht raucht hätte dort eh nix zu melden. mein bewerbungsgespräch führe ich im zustand einer heiter-gelösten inneren emigration, schäkere ein wenig mit der ebenfalls rauchenden potentiellen kollegin, werde dann letztendlich nicht genommen, weil ich nicht rauche. ganz so bringen sies in worten zwar nicht rüber, sagen mir aber auf den kopf zu, dass ich mich nichtrauchend unter ihnen nicht wohl fühlen würde. sie haben recht.
wenige monate später seh ich diese firma erneut inserieren.

man ist vielmehr den unbillen des marktes ausgeliefert, wenn man vollzeit gehen muss. VZ muss man gehen wenn man auch bisher VZ hatte. VZ jobs sind oft 45-stundenjobs, weil dazwischen eine volle stunde aufoktruierter zeittotschlagender mittagspause liegt. ist man so selbstmordaffin, dass man diese zeit im büro versitzt, ist grundsätzlich das tel abzuheben weil wir sind ja keine beamten. verbringt man die zeit draussen, kostet sie speziell bei schlechtwetter viel konsumation in der gastronomie.
ich schreibe ans regenservice in wien mitte, weise ich doch spezielle kenntnisse auf, welche das inserat verlangt. und glatt werde ich von dort angerufen. ich komme in jenes altbauhaus in wien mitte, wo grad am lift schweißerarbeiten stattfinden. giftigen dampf einatmend, geblendet von bierig-schwitzigen bäuchen und gellenden schweißerstrahlen, taumle ich schon anfangs genervt in dieses büro. eine wasserstoffblondine öffnet mir. das büro ansich geräumig, erfahre und sehe ich vor allem drinnen, dass die tussen und tusseriche alle in fast-großraum-manier am tel hängen. es ist dies zum allergrößten teil ein telefonjob und es geht dabei ums verhökern von nahrungsergänzungsmitteln, von welchen ich ja von grund auf nix halt. die 2 chefitäten, die sich mit mir unterhalten, machen mir klar, dass nur diese 9stundeversion von 8:30-17:30 möglich ist. Mo-fr. das ist bei mir ohnehin nicht machbar. wie sie zahlen, daran erinnere ich mich freilich nimmer detailliert, es dürfte aber eine kombi aus fix und prov. gewesen sein. einmal mehr fühle ich mich ausgekotzt, wie von einem raumschiff, einem fremden: das war ist und wird auch nie sein - absolut nicht meine welt!

unangenehm aber doch: auch manche chiffre anzeigen sind so geschickt verfasst, dass ich meine unterlagen in den unbekannten rachen des löwen schicke. diesmal eine PR firma in 1140 wien. irgendwann - so 7-10 tage drauf erhalte ich einen anruf von einer angezeigten handynummer. ein junges wohl 18jähriges mäderl ist dran. sagt nicht wer es ist, sagt, dass es um die stelle geht. mit müh stell ich fest, es handelt sich um eine chiffre (WELCHE???). das mädl beginnt mir, gstandenem mann/frau, unangenehme, ja fast pietätlose fragen zu stellen: nach familienstand, partnerschaft, familienplanung. ich weiss nicht wer mich da anruft - ich sage ihr klipp und klar, dass ich diese fragen speziell am telefon wo ich noch nicht mal weiss mit wem ich spreche (einem handytelefon, nichtmal festnetz-nr), für schwerstens unangebracht halte und aus diesem grund meine bewerbung zurückziehe. so wie mir das klang, hätte diese mäderlfirma wohl ohnehin nicht mehr als ein paar zerquetschte hunderter nettolohn bezahlt. ich fühle mich den rest des tages genötigt, bedrängt, missbraucht. es ist anlässlich jenes entwürdigenden ereignisses eines der ersten male, an denen mir gewahr wird, dass ich eigentlich im streuprinzip meine detailliertesten daten an völlig unbekannte in die ganze stadt rausschicke. wenn man das näher durchdenkt, beginnt man, bald die nase von alldem etwas vollzuhaben.

wie sichs so trifft, erleb ich eines montags 2 rückmeldungen fast gleichzeitig. einer ist der favoritner antiquar, das andere der amboß. der antiquar will fast alles schwarzmachen: 20std kraft anmelden, 45 stunden soll er im gschäft stehen. an meinem verhalten schon merkt er, dass ich bei dem kuhhandel nicht mittue, zumal ich familiär bedingt auf tatsächliche teilzeit plädieren muss. die bekäme ich beim amboß: täglich 9-14h, kein tageslicht, sehr ruhiges verkaufsgeschäft, aber ein computerprodukt das ich nicht kenne. nach meinem gespräch bei ihm sende ich ihm ein bestätigendes mail, in welchem ich unterstreiche, warum grad diese stelle so sehr auf mich passt. wir sind kurz vorm wochenende, und nach ner langen pause ruft er mich an, dass er übermorgen 6 wochen auf handelsreise ist, niemandem im büro hat und mich jetzt dringend bräuchte. ich jedoch befind mich grad in einer sehr bremsenden ams-schulung. völlig uneingeschult, den computer nicht kennend, mich auf dieses glatte terrain begeben, fortan ohne tageslicht - lässt mir die füße kalt werden. es ist dies eine bewerbung, von welcher das amt und der betreuerkurs nichts erfahren. lange danach noch denke ich drüber nach, ob statt der peinvollen drauffolgenden zeit der suche nicht doch ambroß' kaltes wasser besser gewesen wäre. die zeit weist, dass das warten auf eine richtigere stelle sich gelohnt hat.

der herbst ist prinzipiell wohl die beste zeit, zu suchen. interessanterweise tut sich an feedback oft wochen- ja gar monatelang nichts, wenngleich die bewerbungszahl gleichbleibt. (3-6/wo, keine blind, alle auf direktinserat, keine verleiher)
nun eines herbsts bin ich wieder in der phase wo 2 sehr gegensätzliche interviews sich treffen. eines leger und cool, das andre in prunkvollem rahmen. der leger-coole ist sehr lachs und lässt zu lang nix von sich hören, der mit den samtenen tapeten aber gibt mir den zuschlag nach 2 runden zu meinem preis. leider eine unmögliche arbeitszeit täglich -18h, anfangen darf ich dafür etwas später. das hilft alles nichts wenn die tage dann unter der woche total kaputt sind und ich garantiert noch nach 18h ans hinterste eck der menschenschlange in der postfiliale gesandt werde. ich habe einen einschulungstag. als allererstes darf ich die mappe mit den faxen updaten und kopieren. ein gast kommt. ich höre den satz: 'herr B, bringen sie dem gast ein glas wasser - ich zeige ihnen, wie das geht'
trotz der prunkräume ist das büro so klaustrophobisch mit so gut wie keinem tageslicht. ganztags neonlicht, blick in sehr schattigen innenhof. mit dem rücken sitzt jeder 50 cm vor der ablage oder den postfächern für die mitarbeiter. nur die ganz hohen mitarbeiter haben sich ein zimmerchen an der peripherie gesichert. deretweilen stehen ganze ballsäle in ebenjenen räumlichkeiten prunkvoll und protzerisch leer. in der nacht nach dem schnuppertag geht es mir entsetzlich elend. tags drauf eil ich ganz in der früh hin, schlüssel und vertrag abgeben, betteln dass die sozialversicherung wieder rückgängig gemacht wird. nach all der zeit die einstweilen ins land zog, ists derzeit verpflichtend den arbeitnehmer vor arbeitsaufnahme schon anzumelden, nicht erst an seinem ersten tag - das soll schwarzbau verhindern. für mich hingegen ist diese strenge fatal: erfährt die SV meine (deren) fehl-auswahl, ist die infokette nicht lang zum ams. erfährt das ams, dass ich eigentlich schon was hatte, es aber für unzumutbar halte, bekomme ich die sperre. und sperre ist und bleibt nun mal das einzige, womit sie einem den strick drehen können. intelligentere mittel haben sie nicht. sie können leute mit dieser bedrohung (nicht neinsagen zu dürfen in beengender, beängstigender situation) bis in den selbstmord treiben.

es ist mir doch dran gelegen, es wenigstens ein mal zu beschreiben. wie hält man den ams termin ein. termine sind nicht nur tage, sie sind viertelstündlich angesetzte zeitpunkte. nem kollegen schon widerfahren, dass er 5 min zu spät war und auf die spontanvorsprachezeit warten musste (11-12). die spontanzeit ist was sehr unangenehmes, da sie teils stundenlanges zermürbendes warten mit sich bringt. hat man den termin eher frühmorgens, so ists anzuraten, schon vor 8 unten vorm ams zu stehen. die bediensteten betreten das haus durch den nebeneingang. im moment wo die gatter freigegeben werden, beginnt das wettlaufen, zur maschine wo man die nummern zieht (berechnungsabteilung) oder ganz rauf zur kartenabgabe. mit viel pech sitzt man aber auch dann noch stundenlang. es ist zwar hart verdientes geld an dem tag, doch die kosten-nutzen-rechnung lässt trotz aller schikanen nicht unbedingt zu wünschen übrig. man soll dort nicht aufs klo müssen. da ist man mal im 3. und 4. stock, karte abzugeben - dann ist weggehen ohnehin nimmer anzuraten, weil in dem moment wirst vielleicht aufgerufen. ISS security personen streifen obskuren blickes durch die unglücksverheißenden hallen.
naja, die toilette für die arbeitslosen, die ist nämlich im 1. stock. also entweder du hältst es zurück, oder du kriegst ganz einfach ein postfäkales terminproblem: ist dumm, wenn man ausgerechnet immer am morgen seinen täglichen stuhlgang hat. der darm weiss ja nicht, dass es am ams zu warten gilt. wenn frauen mit überquellenden kindern die gänge und die ränge füllen, dann wird es besonders unangenehm. hunde werden unten angebunden. oft und oft sah ich verzweifelte hunde von besitzern, wo man schon glaubte, die kämen aus dem moloch, den dies gebäude darstellt, garnimmer raus. ich glaube, dass die fenster nur gekippt werden können. aufgrund des ständig schwelenden ausgeliefertseins in einer schier unbewältigbaren situation sah ich mich oft im geiste am gang zusammenbrechen und einen schrei von mir geben, der allen securities gemeinsam sämtliche trommelfelle zerfetzt. es hat sich in der tat aber nur auf geflissentliche albträume jeweils vor meinen terminen beschränkt. danach ein hochfahren mitten im traum, wissend, dass ich den zeitpunkt vor acht uhr dort schaffen muss - denn die zermürbende wartezeit hat mich nicht nur einmal demoralisiert, bisher.

welche im zuge meiner bewerbungserlebnisse noch zu reflektieren sind
8buchlagerungsfirma BLF
9leihfirma bei schrebergärten ottakring nach gramatneusiedl
10Eau
11akh - werden noch folgen.
12hfb innere stadt mit fäkalgeruch
13der schwarzweiss mann mit seinen freien Dn.
14argentin, das eigentlich nur weitervermittelt

wie ich wenige abhandlungen zuvor ja schon bemerkt habe, zielen die ams maßnahmen weder auf ausbildung, noch auf eine geglückte vermittlung ab. sie sind einzig dazu da, eben jenes ausgeliefertsein-gefühl im arbeitssuchenden zu stärken, wobei die vermittelbareren leute ihre selbstsuche forcieren, die lahmen hingegen traben gesenkten blickes dem itworks und andren kalibern direkt in ihren administrativen schlund hinein.
nur ein beispiel von vielen: mister B ist mitten in einem dreiteiligen recruiting in einer privatfirma. er hat sich dort schon 8 monate zuvor beworben, diesmal aber haben sie seine bewerbung bemerkt. kurz vor dem zweitgespräch hat er seine einweisung zu einem sozialintegrativen unternehmen (SIU=SÖB), welche er nicht abschlagen darf. es geschieht dies noch in der zeit, in welcher nicht die 5wöchige schulung vorgeschaltet ist. in seinem eifer, die selbergesuchte stelle auch wirklich bekommen zu wollen, lockt er den arbeitgeber - wenige stunden zuvor noch geflissentlich darüber indoktriniert - mit der gestaffelten förderung: also anfangs 50% der lohnnebenkosten, dann schrittweis weniger werden vom SIU übernommen. es ist eine der wiedereingliederungsmaßnahmen für LZBL (langzeitbeschäftigungslose).
der arbeitgeber fängt zu spekulieren an und in der drittrunde, wo mister B noch mit 2 kerlen konkurriert, bekommt er die stelle. nun wird anfangs mal mit dem SIU-bediensteten coach eine probezeit ausgeschnapst. aus eigner erfahrung weiss der arbeitslose B, dass 2 schnuppertage zumindest für ihn zureichend sind, um festzustellen ob es was für ihn ist. landläufig spricht man aber von 3 schnuppis. aber weil wir so knapp vorm monatsende sind und es sich so schön ausgeht, werden über dem kopf des B gleich 5 schnuppis ausgeschnapst, ein wöchlein also. nun, B ist mit einem 550 btto gehalt 25 std im söb angestellt. arbeitgeber ist aber auf 30 stunden eingestellt. jetzt kann B in der ersten woche gratis arbeiten, und errechnet nen nto std-lohn von 3,3 euro. die hacke stellt sich als eine für B völlig indiskutable raus. B übrigens, darf die gehaltszetterln und die urlaubszetterln in der firma verteilen, was doppelt und dreifach demoralisierend ist, in seiner schnupperzeit. B geht zum söb und sagt: DES GEHT NED. söb sagt 'ok' dann suchen sie halt weiter was. (ging ja auch alles viel zu schnell).
nun, hätte B sich auf herkömmliche weise gegen die 2 mitbewerber durchgesetzt, wär er auch vernünftig bezahlt worden, er wär vor allem vom ersten tag an echter dienstnehmer der firma gewesen, was die moral enorm stärkt - ich schwörs euch. nun ich glaub, B hätt sich durchgebissen durch diese ersten tage, doch dank des SÖB ist B weiter arbeitslos. Danke, Söb.

 

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